Regretting Motherhood – Wenn du die Mutterschaft bereust, obwohl du dein Kind über alles liebst

von | März 11, 2026 | Allgemein

Du liebst dein Kind. Wirklich. Von ganzem Herzen.

Und trotzdem gibt es diese Momente – oder vielleicht auch diese anhaltende, leise Stimme in dir – die sagt: Wenn ich nochmal wählen könnte, würde ich mir das vielleicht anders überlegen.

Dieser Gedanke macht dir Angst. Vielleicht schämst du dich auch für ihn. Vielleicht hast du ihn noch nie laut ausgesprochen. Vielleicht nicht mal deiner besten Freundin gesagt. Vielleicht kaum dir selbst gegenüber zugegeben.

Und genau das ist das Problem.

Denn dieser Gedanke existiert bei vielen Müttern da draußen. Und solange wir so tun, als wäre er nicht da, bleibt er ein giftiges kleines Geheimnis, das Kraft frisst und Scham nährt – anstatt, dass wir endlich ehrlich miteinander reden können.

Heute reden wir darüber. Offen. Ohne zu urteilen.


Was ist Regretting Motherhood überhaupt?

Den Begriff hat die israelische Soziologin Orna Donath 2015 geprägt. In ihrer Studie befragte sie Mütter mit einer sehr einfachen Frage: „Würdest du, mit dem Wissen von heute, noch einmal Mutter werden?“ Alle 23 befragten Frauen antworteten mit Nein.

Das hat damals in Deutschland eine riesige Welle ausgelöst. Unter dem Hashtag #regrettingmotherhood teilten unzählige Mütter ihre eigenen Erfahrungen. Und ein Marktforschungsinstitut wollte es genauer wissen: 20 Prozent der in einer YouGov-Befragung befragten Eltern gaben an, dass sie die Entscheidung, Kinder zu bekommen, bereuen und anders entscheiden würden – wenn sie heute nochmal wählen könnten.

20 Prozent. Das ist jede fünfte Mama auf dem Spielplatz. Eine in deiner Krabbelgruppe. Vielleicht du selbst.

Und was genau bedeutet Regretting Motherhood? Laut Donath geht es nicht um einen kurzen Ausraster nach einer schlaflosen Nacht oder einen Moment, in dem man sich einfach mal eine Auszeit wünscht. Es beschreibt das anhaltende, durchgängige Gefühl, dass die Entscheidung, Mutter zu werden, für die eigene Person vermutlich nicht die Richtige war – und dass man sich, wenn man die Zeit zurückdrehen könnte, nicht noch einmal dafür entscheiden würde.

Und das – und das ist das Allerwichtigste an diesem ganzen Thema – hat absolut gar nichts damit zu tun, ob man sein Kind liebt.


Ich bereue die Mutterschaft. Aber ich liebe mein Kind. Geht das überhaupt?

Ja. Und zwar zu 100 Prozent.

Diese beiden Dinge schließen sich nicht aus, auch wenn uns jahrelang das Gegenteil suggeriert wurde. Man kann sein Kind abgöttisch lieben und gleichzeitig die Rolle, die damit einhergeht, als falsch für sich empfinden. Man kann das Lachen seines Kindes für das Schönste auf der Welt halten und sich gleichzeitig fragen, wer man vor der Mutterschaft eigentlich war – und ob diese Frau für immer verschwunden ist.

Orna Donath hat das so treffend formuliert: Die Mütter, die sie befragt hat, liebten ihre Kinder. Aber sie hassten es, Mutter zu sein.

Das ist kein Widerspruch. Das ist die ehrlichste Beschreibung einer Realität, über die viel zu wenig gesprochen wird.

Die Mutterschaft ist nicht für jede Frau das, was sie sein soll – und das ist keine persönliche Schwäche. Das bedeutet nicht, dass man eine schlechte Mutter ist, oder nicht zum Mutter-Dasein geeignet ist. Sondern du, ich, wir sind Frauen, die in einem System stecken, das Müttern unglaublich viel abverlangt und verdammt wenig zurückgibt.


Das Bild, das uns verkauft wird – und die Realität dahinter

Weißt du noch, wie die Mutterschaft in deiner Vorstellung aussah, bevor du Mutter wurdest?

Dieses warme, diffuse Bild. Kuscheln am Morgen. Selbstgemachter Bananenkuchen. Ein Kind, das fröhlich durch die Wohnung flitzt. Du, ausgeruht, glücklich, erfüllt. Dein Partner, der dir zulächelt. Instagram-Momente am laufenden Band.

Und dann kam die Realität in fast allen Fällen viel krasser, unvorstellbarer als du es dir hättest denken können (das war bei mir 100% der Fall – obwohl ich mich echt gut vorbereitet hatte).

Schlafentzug, der in kein medizinisches Lehrbuch passt. Ein Körper, der sich fremd anfühlt. Eine Identität, die sich in Luft aufgelöst hat. Ein Alltag, der aus einer nicht enden wollenden Liste unsichtbarer Aufgaben besteht. Freundschaften, die zerbrechen, Eine Partnerschaft, die sich total verändert. Und ein leises, schleichendes Gefühl, dass die Frau, die du mal warst, irgendwo unter Bergen von Windeln, Schuldgefühlen und To-do-Listen begraben liegt.

Die Soziologin Christina Mundlos, die sich seit Jahren intensiv mit Regretting Motherhood beschäftigt, bringt es auf den Punkt: Das Muttersein werde immer noch massiv verklärt. Wenn mal über die Schattenseiten gesprochen wird, dann nach dem Motto: „Muttersein kann auch anstrengend sein, aber ein bisschen Me-Time mit einem Tee und etwas Yoga gleichen das aus.“ – Und das, sagt sie, ist schlicht falsch.

Denn es geht nicht um zu wenig Me-Time. Es geht um strukturelle Probleme. Um gesellschaftliche Erwartungen, die eine Frau mit dem ersten Kind komplett umprogrammieren, ohne dass irgendjemand gefragt hat, ob sie das will. Es geht um Fremdbestimmung auf einem Level, das kein anderer Lebensabschnitt mit sich bringt.


Der Mental Load – die unsichtbare Arbeit, die niemand sieht

Lass mich kurz noch dieses wichtige Thema aufgreifen, weil es so zentral ist.

Mental Load umfasst die Arbeit, die vor allem Mütter leisten, die aber in keiner Statistik auftaucht und für die es keine Gehaltsabrechnung gibt. Die nicht endende Arbeit im Kopf.

(In diesem Blogartikel über Mental Load schreibe ich noch ausführlicher darüber.)

Du weißt, dass morgen Turnbeutel-Tag in der Kita ist. Du weißt, dass der Zahnarzttermin fällig ist und wann die U7 stattfindet. Du weißt, was beim letzten Elternabend besprochen wurde, was das Kind gerade für eine Phase durchmacht und warum es nachts weint. Du organisierst Geburtstage, planst Urlaube (unter Berücksichtigung aller Allergien, Schlafenszeiten und Packlistenbedürfnisse), du hast die Krankenkassendokumente im Kopf und weißt, wann der letzte Impftermin war.

Das alles passiert in einem Kopf, der schon sowieso am Limit ist.

Und wer trägt diesen Mental Load in der überwältigenden Mehrheit der Familien? Die Mutter.

Studien zeigen immer wieder: Selbst in Paaren, die sich als gleichberechtigt beschreiben, übernimmt die Frau nach der Geburt eines Kindes deutlich mehr der unsichtbaren Organisationsarbeit. Nicht weil sie masochistisch veranlagt ist, sondern weil das System so gebaut ist (und Faktoren wie Elternzeit, Stillen, Geburt natürlich auch eine Rolle spielen). Weil es von ihr erwartet wird. Weil es schlicht passiert, wenn niemand aktiv dagegensteuert.

Und irgendwann, nach Monaten oder Jahren dieses Dauerzustands, fragt man sich: Wann hat eigentlich jemand zuletzt gefragt, wie es MIR geht?


Wenn die Frau, die du warst, plötzlich weg ist

Ich habe schon oft gehört – und selbst erlebt –, dass Mütter sagen: „Ich kenne mich nicht mehr.“

Vor der Mutterschaft hattest du Interessen, die du verfolgt hast. Träume, die du geplant hast. Einen Job, in dem du gewachsen bist. Freundschaften, die du gepflegt hast. Eine Sexualität, eine Spontaneität, eine Freiheit.

Und dann kommt ein Kind. Und du liebst es. Und du opferst dich für es auf – nicht weil man dich zwingt, sondern weil es sich selbstverständlich anfühlt, weil du es willst, weil du keine andere Wahl siehst (bedürfnisorientierte Erziehung und der Versuch, heutzutage ohne Strafen / Belohnung erziehen zu wollen macht das Ganze nicht unbedingt leichter). Und irgendwann, nach einigen Jahren erkennst die Frau nicht mehr, die du geworden bist.

Das ist kein Versagen, sondern eine kollektive Erfahrung, über die fast niemand spricht.

Für gut die ersten zehn Jahre kehren viele Mütter die Frau, die sie waren, unter den Tisch. Sie funktionieren. Sie managen. Sie organisieren. Sie sind da – für alle anderen. Und sie vergessen dabei erschreckend oft, da zu sein für sich selbst.


Was das mit der Partnerschaft macht

Kinder verändern Beziehungen. Und nicht immer zum Besseren.

Es gibt ein Buch, das ich dir ans Herz legen möchte: „Bring deinen Mann nicht gleich um, du könntest ihn noch brauchen: Die Elternzeit als Paar überleben(Originaltitel How Not to Hate Your Husband After Kids) von Jancee Dunn. Der Titel klingt provokant, ist aber erschreckend treffend. Dunn beschreibt, wie sie nach der Geburt ihrer Tochter feststellte, dass sie ihren Mann tatsächlich nicht mehr ausstehen konnte – nicht weil er ein schlechter Mensch war, sondern weil die Ungleichverteilung von Verantwortung, Schlafmangel und gegenseitiger Entfremdung ihre Ehe in etwas verwandelt hatte, das sie nicht erkennen wollte. Weil er sich Freiheiten rausgenommen hat (in dem Fall Radtouren am Wochenende), ohne „zu fragen“ und ohne dass sie das Gleiche tun konnte.

Das ist kein Einzelfall.

Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen: Über die Hälfte aller Scheidungen in Deutschland betrafen Paare mit minderjährigen Kindern. Im Jahr 2023 waren über 109.000 minderjährige Kinder von der Scheidung ihrer Eltern betroffen. Die Trennungen aus nicht-ehelichen Beziehungen kommen da noch obendrauf.

Und ja: Kinder sind natürlich nicht immer der einzige Grund. Aber sie sind sehr oft der Katalysator. Die Zeit nach der Geburt legt gnadenlos offen, was vorher vielleicht noch funktioniert hat: Wer trägt wie viel? Wer schläft durch, wer nicht? Wer opfert seinen Job, seine Freunde, seine Freizeit? Wer wird gefragt, wie es ihm geht – und wer nicht?

Wenn diese Fragen über Jahre nicht ehrlich beantwortet werden, wächst eine Distanz, die irgendwann nicht mehr überbrückbar ist.


Warum reden wir nicht darüber?

Weil es ein Tabu ist. Eines der letzten großen Tabus unserer Gesellschaft.

Wenn eine Frau sagt, sie bereue die Mutterschaft, reagiert die Umgebung oft mit Entsetzen. „Wie kannst du das sagen? Du hast doch so ein wundervolles Kind!“ Oder mit Diagnose: „Du bist sicher depressiv. Hol dir Hilfe.“ Oder mit Verurteilung: „Was für eine Mutter bist du bitte?“

Was (fast) niemand sagt: „Ich verstehe das. Das höre ich öfter, als du denkst. Du bist nicht alleine damit.“

Das Bild der dankbaren, glücklichen, aufopferungsvollen Mutter ist so tief in unserer Gesellschaft verankert, dass jede Abweichung davon als persönliches Versagen gilt – nicht als Reaktion auf ein System, das Müttern zu viel aufbürdet und zu wenig Unterstützung bietet.

Solange aber nicht gesprochen wird, denkt jede Mutter, die sich so fühlt, sie sei die einzige. Sie schämt sich. Sie schweigt. Und leidet alleine darunter, ohne sich wirklich gezielt Hilfe und Wege daraus zu suchen.

Das müssen wir ändern.


Warum wir alles außer die Mutterschaft bereuen dürfen

Stell dir kurz vor, jemand sagt: „Ich bereue es, ausgewandert zu sein. Das Leben dort hat mich nicht glücklich gemacht.“ Reaktion der Umgebung? Verständnis. Mitgefühl. Vielleicht ein paar Ratschläge.

Jemand anderes sagt: „Ich bereue es, diesen Job (oder diese Karriererichtung) angenommen zu haben. Ich erkenne mich darin nicht wieder.“ Reaktion? Nicken. „Das kenne ich. Such dir was Besseres.“

Noch jemand: „Ich bereue es, so lange in dieser Beziehung geblieben zu sein. Das war nicht gut für mich.“ Reaktion? „Du hast absolut das Richtige getan, dass du gegangen bist!“

Wir dürfen so gut wie alles bereuen in diesem Leben. Entscheidungen über Länder, Karrieren, Partner, Wohnorte, Studienrichtungen. Gesellschaftlich ist das nicht nur akzeptiert, es gilt sogar als Zeichen von Reife und Selbstreflexion, wenn man Entscheidungen hinterfragt und neu bewertet.

Aber dann sagt eine Mutter: „Ich bereue es, Mutter geworden zu sein.“ Aber das geht gar nicht!!??

Warum? Weil sofort die Gleichsetzung gemacht wird: Mutterschaft bereuen = das Kind bereuen = das Kind nicht lieben = schlechte Mutter. (und die Sorge um die Kinder ist an sich ja auch verständlich) Diese Gleichung ist aber nicht ganz richtig – aber sie sitzt so tief in unseren Köpfen, dass kaum jemand sie hinterfragt. Dabei bereut niemand beim Auswandern das Land selbst. Niemand bereut beim Jobwechsel die Kollegen. Und niemand, der eine Beziehung bereut, bereut die Momente des Glücks, die er darin erlebt hat.

Die Mutterschaft ist eine Rolle. Eine Lebensrealität. Ein gesellschaftliches Konstrukt, das mit Erwartungen, Anforderungen und Fremdbestimmung vollgestopft ist. Und genau diese Rolle darf man bereuen – während man das Kind, das aus ihr hervorgegangen ist, von ganzem Herzen liebt.

Dass wir das immer noch nicht auseinanderhalten können als Gesellschaft, sagt sehr viel mehr über uns aus als über die Mütter, die so ehrlich sind, es auszusprechen.


Regretting Motherhood kann so unterschiedlich aussehen wie die Frauen, die es fühlen

Wenn wir von Regretting Motherhood sprechen, dann reden wir nicht über ein einheitliches Gefühl, das bei allen gleich aussieht. Es gibt nicht die eine Art, wie sich das anfühlt. Und genau das macht es so schwer zu erkennen – und so leicht zu verurteilen.

Vielleicht erkennst du dich in einem dieser Bilder wieder:

„Nur in bestimmten Phasen – wenn es mir selbst schlecht geht.“

Manche Frauen spüren dieses Gefühl nicht dauerhaft, sondern immer dann, wenn sie selbst an ihre Grenzen stoßen. Wenn die eigene Erschöpfung maximal ist, der Akku leer, die Nerven blank, die Kinder streiten nonstop. In diesen Momenten kommt dieser Gedanke: Ohne Kinder wäre mein Leben leichter. Nicht boshaft gemeint, nicht als echten Wunsch – sondern als schlichtes Überforderungssignal des Körpers. Das Tückische daran: Wenn es einem wieder besser geht, ist der Gedanke oft wieder weg. Und trotzdem macht er in den schwierigen Momenten so viel Scham.

„Besonders in der Babyzeit – inzwischen nicht mehr so.“

Die Babyphase ist für viele Frauen die radikalste Fremdbestimmung ihres Lebens. Kein Schlaf. Kein eigener Körper mehr. Kein Tagesablauf, der sich nach eigenen Bedürfnissen richtet. Rund um die Uhr auf Abruf, rund um die Uhr gebraucht, rund um die Uhr am Funktionieren. Für Frauen, die es gewohnt waren, autonom zu leben, selbstbestimmt zu entscheiden und die eigene Zeit frei einzuteilen, kann diese Phase wie ein Schock wirken – und das Regretting-Gefühl ist in dieser Zeit am stärksten. Wenn die Kinder älter werden, selbstständiger, wenn sich wieder so etwas wie ein eigenes Leben abzeichnet, weicht das Gefühl oft. Was das über die Mutterschaft aussagt? Viel. Was das über den Wert dieser Frauen als Mütter aussagt? Gar nichts.

Gerade hier möchte ich nochmal daran erinnern, dass wir Mütter nie dafür gemacht worden sind, in einer stressigen Welt Kinder alleine großzuziehen und uns das Dorf einfach extrem fehlt.

„Wenn ich an meinen Job denke – und an das, was ich hätte erreichen können.“

Es gibt Frauen, die mitten in einer vielversprechenden Karriere schwanger wurden. Oder eine Gründungsidee hatten, die sie beerdigt haben. Oder die beobachten, wie Kolleginnen ohne Kinder Positionen übernehmen, Projekte leiten, Chancen ergreifen – während sie selbst um 14 oder 16 Uhr die Kita-Abholrunde fahren. Das Regretting-Gefühl kommt hier oft nicht aus dem Nichts, sondern ganz konkret: Ich habe für diese Kinder etwas aufgegeben, was ich nie zurückbekomme. Und auch das darf man im Nachhinein manchmal bereuen, denn niemand ist perfekt und weiß immer ganz genau, ob etwas langfristig die richtige Entscheidung ist. Das ist kein Egoismus, sondern eine ehrliche Bilanz, zu der sich kaum jemand traut – weil Karriereambitionen bei Müttern immer noch als egoistisch gelten (man geht davon aus, dass die Kinder darunter leiden – aber stimmt das wirklich immer?).

„Weil ich gemerkt habe: Das bin einfach nicht ich.“

Manche Frauen waren nie die Typen, die von Kindern geträumt haben. Sie sind Mutter geworden – weil der Partner es wollte, weil es „halt so gemacht wird“, weil vielleicht der Druck von außen irgendwann zu groß wurde, weil sie dachten, dass sie schon in die Rolle reinwachsen werden. Und jetzt stehen sie da und merken: Ich bin nicht gemacht dafür. Nicht weil sie ihre Kinder nicht lieben, sondern weil die Rolle der Mutter sich wie eine Haut anfühlt, die einfach nicht passt. Dieses Gefühl ist keine Diagnose und kein Versagen – es ist der Beweis dafür, dass Mutterschaft keine Pflicht ist und kein Naturgesetz. Und dass Frauen, die sich das eingestehen, oft viel Mut dafür brauchen.

„Wenn meine Partnerschaft sich verändert hat und ich mich frage, ob das alles so sein muss.“

Manchmal richtet sich das Regretting-Gefühl gar nicht primär gegen die Kinder – sondern gegen das, was die Kinder mit dem eigenen Leben, der eigenen Beziehung, dem eigenen Selbstbild gemacht haben. Wenn die Ehe durch die Elternschaft auf eine Zerreißprobe gestellt wurde. Wenn man sich fragt, ob man ohne Kinder noch glücklich miteinander wäre. Wenn man spürt, dass man sich als Paar verloren hat – und sich als Individuum gleich mit.

„Immer wieder, wenn ich keine Pause bekomme.“

Für viele Mütter ist Regretting Motherhood direkt gekoppelt an fehlende Erholung. Kein Urlaub von der Mutter-Rolle, keine Nacht alleine, kein Wochenende ohne die Kinder – Jahr für Jahr. Gerade wenn man mehrere Kinder hat und die Baby- und Kleinkindphase vielleicht 10, 15 Jahre gefühlt nonstop hat.

Das Gefühl ist kein Zeichen, dass man aufhören möchte, Mutter zu sein. Es ist ein Zeichen, dass man dringend wieder Frau sein muss. Nur für sich.


Was all diese unterschiedlichen Ausprägungen gemeinsam haben? Sie sind alle real. Sie alle verdienen es, gehört zu werden. Und keine einzige davon macht dich zu einer schlechten Mutter.

Wenn du dich in keinem dieser Bilder wiederfindest und trotzdem diesen Artikel liest – vielleicht erkennst du eine Freundin darin. Eine Schwester. Deine eigene Mutter. Und dann weißt du jetzt: Wenn jemand in deinem Umfeld sowas andeutet, dann ist die beste Antwort, zuzuhören.


Was wirklich hilft – jenseits von Tee und Yoga

Ich sage nicht, dass „Regretting Motherhood“ von heute auf morgen verschwindet, wenn man nur die richtigen Schritte unternimmt. Aber es gibt Dinge, die wirklich helfen können.

1. Mit jemandem darüber offen und ehrlich sprechen

Es klingt simpel, aber es ist ein mächtiger Schritt. Such dir eine Person, der du vertraust – eine Freundin, eine andere Mama, eine Therapeutin. Und sprich aus, was du fühlst. Ganz schonungslos und ehrlich, auch wenn es weh tut und schwierig ist. Das Aussprechen eines Gedankens nimmt ihm bereits einen Teil seiner Macht.

Wenn Frauen anfangen, offen über Themen zu reden, über die sie vorher nie gesprochen haben entsteht ein Gefühl von „Ich bin nicht alleine“, das unglaublich heilsam ist.

2. Die Erwartungen an dich selbst hinterfragen

Welches Bild von Mutterschaft trägst du in dir? Wo kommt es her? Von deiner eigenen Mutter? Aus Social Media? Aus dem gesellschaftlichen Umfeld?

Und wichtiger noch: Entspricht dieses Bild dir? Oder hast du es einfach übernommen, ohne es je zu hinterfragen?

Du darfst eine andere Mutter sein, als du zu sein glaubst. Du darfst Grenzen haben. Du darfst es dir so einfach wie möglich im Alltag machen. Du darfst Plastikspielzeug kaufen. Du darfst Dinge nicht mögen, die andere Mütter zu lieben scheinen. Du darfst weniger aufopferungsvoll sein, als das gesellschaftliche Idealbild verlangt. Du darfst dich von Müttern abgrenzen, die dich verurteilen wollen.

3. Unterstützung holen – und zwar echte

Nicht die Art von Unterstützung, bei der du alles sorgfältig vorbereitest und delegierst und hinterher noch die Dankesrede hältst. Sondern echte, spürbare Entlastung. Zeiten, die du komplett für dich hast. Jemand, der die Kinder nimmt, damit du schlafen kannst. Eine klare Abmachung mit deinem Partner, wer was übernimmt – schwarz auf weiß, ohne implizite Annahmen.

Das Buch von Jancee Dunn („How Not to Hate Your Husband After Kids“) enthält übrigens sehr konkrete und manchmal überraschend witzige Vorschläge dazu, wie man diese Gespräche mit dem Partner führt – ich empfehle es wirklich.

4. Professionelle Unterstützung – ohne Scham

Regretting Motherhood kann, wenn es lange unbehandelt bleibt, in echte Depressionen oder Angststörungen übergehen. Wenn du merkst, dass das Gefühl dich überwältigt, hol dir Hilfe. Eine Therapeutin, eine Familienberatung, ein Coaching – es gibt viele Wege. Keine davon ist ein Zeichen von Schwäche. Alle davon sind ein Zeichen, dass du dich um dich kümmerst. Und das darfst du dir wert sein.

5. Die eigene Identität zurückholen – Schritt für Schritt

Du warst eine Frau, bevor du Mutter wurdest. Diese Frau existiert noch. Vielleicht ist sie gerade sehr leise, sehr müde, sehr unter Alltagskram begraben. Aber sie ist da.

Was hat dir früher gut getan? Was hat dich lebendig gemacht? Was waren deine Leidenschaften? Musik, Sport, Schreiben, Tanzen, Reisen, Fantasybücher lesen, einfach eine Stunde alleine spazieren gehen? Such dir ein kleines Stück davon zurück. Nicht als riesige Selbstverwirklichungskampagne, sondern als kleinen, regelmäßigen Moment, in dem du wieder du bist.


Ein letztes Wort an dich

Wenn du diesen Artikel bis hierher gelesen hast, dann vielleicht, weil du dich erkennst. Vielleicht ein bisschen, vielleicht sehr viel.

Ich möchte dir sagen: Du bist keine schlechte Mutter. Du bist keine schlechte Frau. Du bist eine Frau, die ehrlich ist – zu sich selbst, auch wenn es wehtut.

Das, was du fühlst, hat einen Namen, es hat Ursachen, die weit über dich als Person hinausgehen und viel mehr Frauen als du dir vorstellen kannst teilen diese Gefühle und Gedanken mit dir.

Was du nicht bist: Alleine damit.

Ich wünsche mir so sehr, dass wir anfangen, diese Gespräche zu führen, ohne Scham, ohne Verurteilung und dass wir dann gemeinsam anfangen können, das System zu verändern. Für uns – und für die Mütter, die nach uns kommen.


Instagram:

  • Der Kanal von Piepmadame gibt immer mal wieder Einblicke von Wiebke, die offen mit ihrer Mutterrolle hadert. Was mich oft schockiert sind die wirklich gemeinen, gehässigen Kommentare die ganz klar zeigen: Da müssen wir noch viel Aufklärungsarbeit leisten in der Gesellschaft, bis überhaupt verstanden wird, was sie aussagen möchte (und warum man eben NICHT vorher alles weiß).

Bücher:

Beratung & Community:


Du hast Gedanken oder Erfahrungen zu diesem Thema, die du teilen möchtest? Ich freue mich über deinen Kommentar unter diesem Blogartikel!

(Quellen z.B. https://de.statista.com/themen/134/scheidung/ und https://de.wikipedia.org/wiki/Regretting_motherhood)

Dieser Blogbeitrag stammt von Stefanie Motiwal

Hey, ich bin Stefanie, Mama von 2 Kindern und Gründerin von MamasDorf. Mit MamasDorf möchte ich anderen Müttern helfen, die teilweise schwierigen Herausforderungen des Alltags mit Kindern zu meistern und sich selbst nicht zu vernachlässigen.

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