Achtsamkeit im Mama-Alltag

Achtsamkeit im Mama-Alltag

Achtsamkeit im Mama-Alltag

Achtsamkeit ist in aller Munde und fast jeder hat eine Vorstellung oder eine Idee davon, was damit gemeint ist. Die meisten Vorstellungen und Ideen über Achtsamkeit sind jedoch entweder unvollständig oder gehen manchmal sogar ganz an der eigentlichen Thematik vorbei. Dieses Phänomen erlebe ich in meiner Arbeit an einer Mutter-Kind-Kurklinik und als selbstständige Entwicklungs-Begleiterin und Mentorin für Mütter (www.staunen-und-lieben.de) immer wieder aufs Neue. Das ist so schade, denn Achtsamkeit ist etwas Wunderbares, das so viel Veränderung in unser Leben bringen kann. Dies erlebe ich selbst seit mehreren Jahren in meinem eigenen Leben als Mama. 

Was ist Achtsamkeit?

Das Konzept der Achtsamkeit (engl. mindfulness) besteht in seinem Grundsatz aus zwei Elementen:

  1. Ich nehme wahr, was gerade in diesem Moment geschieht. Nicht morgen, nicht gestern, sondern JETZT, in diesem Augenblick. Das kann etwas sein, das im Außen geschieht (z.B. das Auto, das gerade in die Straße einbiegt) oder etwas, das im Inneren, in mir selbst geschieht (z.B. das Gefühl, das ich habe, wenn ich morgens zur Arbeit fahre).  
  2. Ich lasse das, was gerade in diesem Moment geschieht, wertfrei stehen. Das heißt, dass ich es weder gut noch schlecht finde, sondern es einfach da sein lasse.

Welche Vorteile hat Achtsamkeit für Mamas?

Achtsamkeit will uns helfen, zeitweise aus dem permanenten Denken über Vergangenheit und Zukunft auszusteigen. Eine Pause zu machen vom ständigen mentalen Organisieren, Planen, Bedenken und Ordnen. Um stattdessen im gegenwärtigen Moment anzukommen und damit bei sich selbst oder bei dem, was jetzt gerade ist. Das kann heißen, sich selbst im Körper zu spüren, die eigenen Gefühle für einen Moment wahrzunehmen oder das Bedürfnis nach Bewegung nach mehreren Stunden am Schreibtisch. Das kann heißen, den Kindern beim Spielen zuzuschauen, die Freude in ihren Gesichtern zu sehen und ihr Lachen zu hören. In diesen Momenten des wirklichen Daseins kann sich eine innere Ruhe, Entspannung und Verbundenheit mit mir selbst und anderen einstellen. Achtsamkeit ist somit gelebte Selbstfürsorge.

Wie kann Achtsamkeit im Mama-Alltag gelingen? 

Der Alltag einer Mama ist in der Regel mehr als gut gefüllt und lässt auf den ersten Blick keinen Raum für zusätzliche Achtsamkeits-Übungen oder Zeit für sich alleine. Tatsächlich gibt es Achtsamkeits-Übungen, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken und daher mehr Zeit brauchen. Es gibt aber auch kleine Achtsamkeits-Momente, die sich in den Mama-Alltag integrieren und einweben lassen. Daher hier drei praktische Tipps für kurze Achtsamkeits-Momente im Mama-Alltag:

1. Die erste Minute und die letzte Minute des Tages gehören mir

    Stelle dir einen ganz normalen Morgen in deinem Alltag vor. Wahrscheinlich klingelt der Wecker und signalisiert dir: „Aufstehen!“. Bevor du aus dem Bett steigst, nimm‘ dir eine Minute (vielleicht stellst du deinen Wecker dafür eine Minute früher) und nimm‘ dich wahr: Spüre in deine Füße hinein, in deine Beine, dein Becken, den Oberköper, Arme und Hände, Gesicht und Kopf. Wandere einmal von unten nach oben mit der Aufmerksamkeit durch deinen Körper hindurch und nimm‘ ihn wahr, ohne ihn zu bewerten. Vielleicht spürst du Wärme, ein Kribbeln, Schwere oder Leichtigkeit. Lass‘ alles da sein, was sich zeigt.

    Die selbe Übung machst du am Abend, nachdem du dich ins Bett gelegt hast und bevor du einschläfst.

    2. Mini Atem-Beobachtung

    Auch wenn es lustig klingt – nutze die Zeit auf der Toilette! Bleibe noch einen kurzen Moment länger im Bad, schließe deine Augen und beobachte deinen Atem. Er strömt durch die Nase ein, breitet sich in deinem Körper aus und strömt dann durch die Nase oder den Mund wieder aus. Es gibt sonst nichts zu tun, außer dem Atem mit deiner Aufmerksamkeit zu folgen. Du musst den Atem nicht verändern, sondern nur kommen und gehen lassen in seinem eigenen Tempo.

    3. Der achtsame Blick aus dem Fenster

    Wir schauen jeden Tag mehrfach aus dem Fenster. Wenn du das nächste Mal rausschaust, dann schaue achtsam nach draußen. Nimm‘ dir einige Sekunden, um zu erfassen, was es zu sehen gibt: Ein fahrendes Auto, die Nachbarin, der ungemähte Rasen, ein Vogel im Baum, dein spielendes Kind. Lass‘ alles, was du siehst, wertfrei da sein. Es ist sowieso schon da!

    Achtsamkeit ist in uns allen angelegt

    Wenn du diese kleinen Achtsamkeits-Momente in deinen Mama-Alltag integrierst und sie im besten Fall zu Routinen werden, wirst du schon bald Veränderungen feststellen. Du wirst dann wahrscheinlich irgendwann nicht mehr auf deine Mini-Achtsamkeit verzichten wollen. Denn Achtsamkeit ist in uns allen angelegt, wir haben sie nur im Laufe der Zeit „vergessen“.

    Der Mama-Alltag ist damit eine perfekte Gelegenheit, uns wieder an sie zu erinnern!

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    Was ist Mental Load? Was hilft gegen Mental Load?

    Was ist Mental Load? Was hilft gegen Mental Load?

    Wenn es dir im Alltag mit Kindern so ähnlich wie mir geht, bist du vermutlich auch häufig bis immer ziemlich erschöpft. Einen großen Teil deiner täglichen Erschöpfung kannst du vermutlich dem nie aufhörenden Gedankenkarussell zuschreiben, welches dich immerzu daran erinnert, was du noch als nächstes tun musst. Ein berühmter Comic von Emma (einer französischen Zeichnerin, die sich unter anderem für Feminismus einsetzt) beschreibt treffend die Lage, in der sich viele Frauen, insbesondere Mütter, täglich befinden. Für diese unsichtbare und belastende Arbeit hat sich der Begriff Mental Load, also quasi gedankliche Belastung, etabliert. Hierbei gibt es drei kritische Punkte:

    1. Die Arbeit ist neverending – sie hört einfach nie auf. Es werden allein für die Kinder immer mal wieder neue Kontrollarzttermine und neue Kleidung nötig. Es fallen immer wieder Geburtstage an. Und wenn dein Kind zu einem Verein oder sonstigem Hobby gebracht werden möchte, zieht das wieder eine Reihe an Aufgaben nach sich.
    2. Die Arbeit ist unsichtbar. Und wird damit häufig nicht einmal wertgeschätzt. Viele Partner verstehen gar nicht, worüber man sich beklagt, wovon man abends so erschöpft ist (abgesehen davon, dass es ein Vollzeitjob ist, sich um die Bedürfnisse eines oder gar mehrerer Kinder zu kümmern). Auch dir selbst kommt es vermutlich häufig am Abend so vor, als hättest du gefühlt wieder nichts geschafft, obwohl du den ganzen Tag nur gerannt bist.
    3. Die Arbeit ist teilweise belastend. Weil es eben oftmals vieles zu bedenken gibt, du dich an so viel erinnern musst. Oder es schnell aufschreiben musst, bevor das Kind schreit. Zusätzlich zu den ganzen alltäglichen Aufgaben, die sowieso anstehen, gibt es auch regelmäßig wiederkehrende Aufgaben, und sei es nur das Blumen gießen, neue Müllbeutel besorgen, wenn die alten leer sind, die Klopapier Rollen nachfüllen. Alles Kleinigkeiten, oder? Nicht der Rede wert? In der Summe ergibt sich hier aber doch ein gewaltiger Berg an Dingen, die dich einfach mental belasten, wenn du daran denken und dich darum (alleine) kümmern musst.

    Mir ist bei einer Übung – dem bewussten Beobachten meiner Gedanken – aufgefallen, dass wirklich ständig Gedanken aufkommen wie „Ohhh, daran muss ich noch unbedingt denken“ oder „Das muss ich gleich noch unbedingt erledigen“. Eigentlich könnte ich beim Spielen mit meinen Kindern jede Minute das Handy in die Hand nehmen, um mir schnell noch was zu notieren, bevor ich es wieder vergesse. Und auf dem Weg in die Küche, um meiner Tochter etwas zu trinken zu holen, fallen mir die dreckigen Socken auf dem Flurboden auf, die Teller, die sich auf der Spülmaschine stapeln, und der Zettel am Kühlschrank mit dem Müllabfuhrtermin morgen – irgendjemand musste zumindest meinen Mann daran erinnern, die Mülltonnen an die Straßen zu schieben.Wege finden, um uns von dieser unsichtbaren Last zu befreien und ein erfülltes und ausgewogenes Familienleben zu führen.

    Auswirkungen des Mental Load:

    1. Stress und Überlastung: Die ständige Verantwortung für die Organisation des Familienlebens kann zu chronischem Stress und Überlastung führen.
    2. Beziehungsprobleme: Wenn einer Partner einen Großteil des Mental Loads trägt, kann dies zu Spannungen und Konflikten in der Partnerschaft führen.
    3. Mentale Erschöpfung: Die fortwährende Belastung durch den Mental Load kann zu mentaler Erschöpfung führen und das Wohlbefinden beeinträchtigen.
    4. Fehlende Selbstfürsorge: Eltern, die stark belastet sind, vernachlässigen oft ihre eigenen Bedürfnisse und nehmen sich nicht genügend Zeit für Selbstfürsorge.

    Schritte zum Ausbrechen aus dem Mental Load:

    1. In einem ersten Schritt: Bewusstmachen. Dir selbst, und natürlich auch deinem Partner. Schreibe dir z.B. eine Woche lang auf, was du alles tust, organisierst, an was du denken musst, was noch ansteht. Einfach so untereinander auf einen Zettel, dann hast du es mal schwarz auf weiß vor dir.
    2. In einem zweiten Schritt: Aufgabenverteilung zusammen anschauen. Was ist wirklich wirklich wirklich notwendig. Was musst du unbedingt selbst machen. Was kann dein Partner machen. Was kann ggf. eine externe Hilfe übernehmen. Dazu gehört auch: Delegieren und Priorisieren: Lerne, Aufgaben zu delegieren und Prioritäten zu setzen. Nicht alles muss perfekt sein, und es ist in Ordnung, Hilfe von anderen anzunehmen, sei es vom Partner, Familienmitgliedern oder sogar professionellen Dienstleistern.
    3. In einem dritten Schritt: Loslassen (üben). Versuche, die Aufgaben, die du abgegeben hast, auch wirklich abzugeben. Was außerdem helfen kann:
    4. Effiziente Organisationssysteme: Implementiere effiziente Organisationssysteme, seien es digitale Kalender, Einkaufslisten-Apps oder gemeinsame To-Do-Listen mit dem Partner. Automatisiere wiederholende Aufgaben so weit es möglich ist, um Zeit und Energie zu sparen.
    5. Selbstfürsorge priorisieren: Nimm dir bewusst Zeit für Selbstfürsorge und Selbstpflege. Setze Grenzen und mach regelmäßige (wirkliche! Handyfreie!) Pausen, um sich zu entspannen und aufzutanken.
    6. Partnerschaft stärken: Arbeitet an euch als Team. Kommuniziere offen, unterstützt euch gegenseitig und teilt die Verantwortung für Hausarbeit und Kindererziehung. Das geht vielleicht nicht von heute auf morgen, aber es muss Priorität haben.
    7. Unterstützung suchen: Zögere nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, sei es durch eine Therapie, Coaching oder Unterstützung von Freunden und Familienmitgliedern.

    Mental Load Test

    Die Initiative Equal Care Day hat einen Mental Load Test herausgebracht, den du zusammen mit deinem Partner durchführen kannst -> Zum Test als PDF.

    Mental Load Aufgabenliste

    Es gibt eine großartige Excel-Liste, eine „Steuerboard-Liste“ gegen Mental Load. Wenn du dich bei Laura Fröhlich hier in den Newsletter einträgst, bekommst du diese umfassende Liste per Mail zugeschickt – es ist dort schon alles Mögliche voreingetragen an Augaben, die im Alltag so anfallen, wie viel Zeit sie in der Regel in Anspruch nehmen, wie häufig sie ausgeführt werden müssen. Du kannst die Aufgaben dann schön verteilen und Verantwortliche eintragen. Und vor allem: Den Mental Load erst einmal sichtbar machen!

    Kleiner Auszug aus der großartigen Steuerboard-Liste:

    Fazit:

    Der Mental Load ist eine unsichtbare Last, die viele von uns belastet und unseren Alltag beeinflusst. Es ist wichtig, sich dieser Belastung bewusst zu werden und Schritte zu unternehmen, um sie zu reduzieren und ein ausgewogeneres Leben zu führen. Durch bewusste Kommunikation, Delegierung, Selbstfürsorge und Unterstützung können wir aus dem belastenden Kreislauf ausbrechen und mehr Freude und Leichtigkeit in unserem Familienleben finden.

    Wie sieht es bei dir und deinem Partner aus? Wie regelt ihr die Aufgabenverteilung? Hast du noch weitere Tipps , die dir geholfen haben, nicht mehr an alles denken zu müssen? Schreib mir deine Erfahrungen gern in die Kommentare!

    Mental Load Buchtipps & Weitere Links

    Im Interview mit Patricia Cammarata erfährst du noch mehr über Mental Load.

    High Need Baby – Anzeichen & Was kann ich tun?

    High Need Baby – Anzeichen & Was kann ich tun?

    Es gab nicht nur einen Grund, warum mein erstes Babyjahr mit das härteste Jahr meines Lebens war (worauf ich hier auch eingehe). Aber ein Hauptgrund war auf jeden Fall dieser: Meine Tochter war ein High Need Baby.

    Vielleicht hast du diesen Begriff schonmal gehört und fragst dich, ob das auf dich auch zutreffen könnte? Oder du hast noch nie davon gehört und möchtest wissen, was das überhaupt ist und ob du deswegen vielleicht so erschöpft bist? Ob mit deinem Baby vielleicht doch alles stimmt, es aber einfach etwas anders ist?

    Was ist ein „High Need Baby“?

    Ein „High Need Baby“ ist ein Begriff, der von Dr. William Sears geprägt wurde, um Babys zu beschreiben, die intensivere Bedürfnisse haben als andere. Diese Babys sind oft anspruchsvoller in Bezug auf Schlaf, Nahrungsaufnahme, Nähe und Stimulation.

    In diesem Blogartikel beschreibe ich:

    • Die Merkmale von High Need Babies
    • Woher der Begriff High Need Baby stammt
    • Was der Unterschied ist zwischen High Need Baby und Schreibaby
    • Was man tun kann, wenn man ein High Need Baby hat.

    Merkmale eines „High Need Babys“:

    1. Intensive Bedürfnisse: Hochbedürfnis-Babys benötigen oft mehr Aufmerksamkeit und Interaktion. Vielleicht kennst du sie auch? Die Babys, die in der Krabbelgruppe zufrieden herumliegen und einfach nur durch die Gegend schauen? Und dein Baby ist sofort unzufrieden, wenn es nicht von dir unterhalten wird?
    2. Temperamentvoll: Sie können oft schnell reizbar sein und sich schwer beruhigen lassen.
    3. Hohe Sensibilität: Diese Babys können auf Reize wie Geräusche, Licht und Berührungen empfindlicher reagieren.
    4. Starker Bindungswunsch: Hochbedürfnis-Babys sehnen sich oft nach Nähe und Sicherheit und zeigen eine starke Bindung zu ihren Eltern. Oft sind es klassische „Tragebabys“, die sich einfach nicht ablegen lassen.

    Aus meiner Erfahrung kann ich auch dazu fügen, dass meine Tochter sehr unruhig schlief und im 1. Jahr oft alle 45 – 90 Minuten aufgewacht ist. Außerdem wollte sie eigentlich immer stillen.

    Woher stammt der Begriff „High Need Baby“ überhaupt?

    Der Begriff „High Need Baby“ (high = hoch, need = Bedürfnis) stammt von Dr. William Sears, einem Kinderarzt und Autor mehrerer Bücher über Elternschaft und Kindesentwicklung (z. B. Attachment Parenting Buch, Schlafen und Wachen: Das Elternbuch für Kindernächte).
    In seinen Büchern und Artikeln verwendet Dr. Sears den Begriff High Need Baby, um Babys zu beschreiben, die intensivere Bedürfnisse haben als andere und daher eine erhöhte Aufmerksamkeit und Fürsorge seitens der Eltern erfordern. In seinen Büchern betont Sears die Bedeutung von Bindung, Nähe, Geduld und Verständnis im Umgang mit high need Babys.

    Was ist der Unterschied zwischen einem High Need Baby und einem Schreibaby?

    Der Begriff „High Need Baby“ und „Schreibaby“ werden manchmal synonym verwendet, da beide Begriffe auf Babys hinweisen, die intensivere Bedürfnisse haben und deren Betreuung anspruchsvoller sein kann, als die von „normalen“ Babys. Dennoch gibt es einige Unterschiede zwischen den beiden Begriffen:

    1. High Need Baby:
      • Ein „High Need Baby“ wird für Babys genutzt, die intensivere Bedürfnisse haben als andere. Diese Babys können in verschiedenen Bereichen anspruchsvoller sein, wie zum Beispiel in Bezug auf Schlaf (schlafen wesentlich weniger, wachen sehr häufig auf), Nahrungsaufnahme (wollen z. B. ständig stillen, nuckeln, trinken), Nähe (lassen sich nicht ablegen) und Stimulation (können sich gar nicht selbst beschäftigen).
      • High Need Babys können empfindlicher auf Reize reagieren, sind oft schnell reizbar und sehnen sich nach Nähe und Sicherheit. Der Übergang zu hochsensiblen Babys kann hierbei fließend sein.
      • Bei High Need Babys gilt es, die Bedürfnisse des Babys besser zu verstehen und geeignete Wege zu finden, um diesen Bedürfnissen gerecht zu werden. Ich kann hierzu sehr die „artgerecht“ Reihe von Nicola Schmidt empfehlen, die zumindest schonmal die Illusion nimmt, dass alle Babys sich ablegen lassen, durchschlafen und alle 4 Stunden gestillt werden.
    2. Schreibaby:
      • Ein Schreibaby ist ein Baby, das übermäßig viel weint oder schreit, ohne dass eine offensichtliche Ursache erkennbar ist (an mind. 3 Tagen pro Woche länger als 3 Stunden über einen längeren Zeitraum, ist eine offizielle Definition).
      • Schreibabys können unterschiedliche Gründe für ihr Weinen haben, darunter Koliken, Unwohlsein, Überstimulation, Hunger oder Müdigkeit – dies lässt sich aber wie schon gesagt meist nicht feststellen.
      • Bei Schreibabys liegt der Fokus darauf, mögliche Ursachen für das übermäßige Weinen zu identifizieren und Strategien zu entwickeln, um das Kind zu beruhigen und die Belastung für die Eltern zu reduzieren.

    Insgesamt können High Need Babys und Schreibabys sich überschneiden, da beide Situationen für Eltern herausfordernd sind. Es ist wichtig, die individuellen Bedürfnisse und Verhaltensweisen des Babys zu berücksichtigen und SUPER WICHTIG, entsprechende Unterstützung und Ressourcen in Anspruch zu nehmen, um den Eltern zu helfen, mit diesen krassen Herausforderungen umzugehen.

    Tipps für Eltern von High Need Babys:

    1. Akzeptanz und Geduld: Akzeptiere, dass dein Baby vielleicht intensivere Bedürfnisse hat, vergleiche dich und dein Baby nicht mit anderen und sei geduldig mit dir selbst und deinem Baby.
    2. Enge Bindung aufbauen: Nimm dir Zeit, um eine starke Bindung zu deinem Baby aufzubauen. Haut-zu-Haut-Kontakt und generell viel Körperkontakt können deinem Baby das Gefühl von Sicherheit geben.
    3. Unterstützung suchen: Such dir unbedingt Unterstützung bei deinem Partner, Familie oder Freunden. Es ist wichtig, dass du dir selbst Zeit für Ruhe und Erholung nehmen kannst.
    4. Flexibilität in der Routine: Sei offen für Veränderungen in deiner Routine. High Need Babys können manchmal unvorhersehbar sein, und Flexibilität kann den Stress reduzieren. Auch wenn Routinen generell hilfreich sind im Familienalltag, klappt es hier nicht immer.
    5. Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen: Zögere nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn du dich überfordert fühlst. Ein Kinderarzt oder eine Beratungsstelle kann dir möglicherweise weitere Ratschläge und Unterstützung bieten. Schau unbedingt bei den Beratungsstellen und im Mamas Dorf Verzeichnis nach, dort wirst du bestimmt schon fündig.

    Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die erste Zeit mit einem High Need Baby unfassbar anstrengend, vielleicht sogar traumatisch sein kann. Egal, wie gut man sich auf die Babyzeit vorbereitet hat – darauf kann einen wirklich nichts vorbereiten. Sich so viel Unterstützung zu holen wie möglich und sich ohne schlechtes Gewissen Auszeiten ohne Baby zu nehmen ist wirklich essentiell. Sprüche wie „sie werden ja so schnell groß“ helfen dir stattdessen sicherlich nicht weiter.

    Kommentiere gern unter diesem Blogartikel und teile deine Erfahrungen mit mir.

    New Working Mom – Wie du eine liebevolle Mama bleibst & berufliche Erfüllung findest (Buchvorstellung)

    New Working Mom – Wie du eine liebevolle Mama bleibst & berufliche Erfüllung findest (Buchvorstellung)

    Als Mama, gerade wenn dein(e) Kind(er) noch klein ist/sind, hast du sicherlich sehr wenig Zeit zum Lesen. Aber das Buch „New Working Mom – Wie du eine liebevolle Mama bleibst & berufliche Erfüllung findest*“ von Irene Maria Walter kann ich wirklich von ganzem Herzen empfehlen.

    Du findest dort nicht nur inspirierende Interviews (im 1. Teil) dazu, wie andere Mütter Beruf und Familie unter einen Hut gebracht haben, sondern hast im 2. Teil die Möglichkeit, ein gesundes Fundament für dein ganzes Leben aufzubauen. Es geht noch viel weiter, als sich nur auf den Job zu beziehen.

    Am besten bestellst du dir ein hübsches Notizbuch* dazu und machst alle Übungen – vielleicht sogar regelmäßig – um den größten Nutzen aus dem Buch zu ziehen.

    Vielfalt

    Die vielen Infos und Geschichten beziehen sich übrigens sowohl auf Österreich als auch auf Deutschland. Im Interview Teil findest du vielfältige Lebenssituationen, wie z.B. auch gleichgeschlechtliche Paare, Patchwork-Familien, Studierende mit Kind, Selbständige/Angestellte – es ist bestimmt für jeden etwas dabei 🙂 Die Einblicke in die unterschiedlichsten Situationen, Herausforderungen und wie sie gestärkt gemeistert wurden gibt dabei viele Anregungen für den eigenen Alltag. 

    Was du in dem Buch findest:

    • Mut machende Interviews mit anderen Frauen darüber, wie sie Beruf und Familie vereinbart haben
    • Die wichtigsten Tipps, um dem Mama Burnout vorzubeugen
    • Eine Analyse deiner Werte
    • Wie du Karriere überhaupt definierst und was du daran ändern kannst
    • Ziele intelligent setzen und neue Wege gehen
    • Mental Load und wie du da wieder raus kommst
    • Unterstützung – welche großartigen Möglichkeiten es für eine bessere Vereinbarkeit gibt
    • Resilienz
    • und vieles mehr!

    Das Ganze ist ausgestattet mit wertvollen Übungen und Impulsen, um sein Leben auch wirklich ganz praktisch zu verbessern!

    Das Buch motiviert (im Gegensatz zu vielen anderen) wirklich dazu, das zu ändern, was geändert werden darf und zeigt dir die Schritte dafür, wie auch im Untertitel „In 6 Schritten zu mehr innerer Zufriedenheit“ angedeutet.

    Was mir unglaublich gut gefallen hat

    Es ist auf den Punkt gebracht, hat genau die richtige ausgewogene Menge an Theorie, praktischen Übungen und Ermutigung und liest sich selbst im anspruchsvollen Mama Alltag einfach so weg.

    Hast du das Buch schon gelesen? Schreib mir unbedingt in die Kommentare, wie es dir gefallen hat!

     

    Mehr Unterstützung und weniger Stress – ein kurzes Interview mit Nicola Schmidt

    Mehr Unterstützung und weniger Stress – ein kurzes Interview mit Nicola Schmidt

    Was meint Nicola Schmidt, die Gründerin des artgerecht Projekts, zum Thema Unterstützung aufbauen?

    Ich habe sie gefragt und das hat sie geantwortet:

    1.) Warum scheint der Mütteralltag heute wesentlich stressiger und anspruchsvoller zu sein als noch vor 2, 3 Generationen? (oder kommt uns das nur so vor?) 
    Der Mensch hat eine Tendenz, die Vergangenheit zu glorifizieren – das geht allen Generationen so. Insofern ist es kein Wunder, dass wir denken, dass „früher alles besser“ war. Wenn wir uns die Zahlen ansehen, ist das aber eher unwahrscheinlich: Die Mütter- und Kindersterblichkeit war größer, der Ernährungszustand schlechter, Frauen hatten weniger politische Rechte etc. Ich finde die Bücher des schwedischen Gesundheitsprofessors Hans Rosling sind ein gutes Gegenstück zu dieser Tendenz.
     
    2.) Was würdest du einer Mutter empfehlen, die zwei Kleinkinder (mit dem häufigen Abstand von knapp 2 Jahren) zu Hause hat, wenig Unterstützung (Mann arbeitet, keine Familie vor Ort) und ziemlich überfordert ist? Wie kann man sich für den Alltag mehr Unterstützung organisieren, wo würdest du hier ansetzen? 
    Ich würde ihr empfehlen, sich ein Dorf zu bauen – aus Babysittern, anderen Müttern, Kursen und Hilfe. Und ich würde sie fragen, wie es kommen kann, dass ihr Mann sie wenig unterstützt, obwohl sonst niemand da ist – oft hat das ja auch etwas mit uns selbst zu tun, wenn wir in so einer Situation leben.
     
    3.) Wie kann man sich den Alltag mit Kindern konkret einfacher gestalten, um ihn als weniger anstrengend und kräftezehrend zu erleben?
    Besser planen, uns weniger vornehmen, weniger perfekt sein – in meinen Büchern „Slow Family“* und in „Erziehen ohne Schimpfen„* habe ich viele Anregungen, was wir anders machen können. Das Wichtigste ist allerdings: Wir müssen unser Leben in die Hand nehmen. Solange wir hoffen, dass irgendein außen uns „rettet“, werden wir enttäuscht werden. Das Dorf klopft nicht an unsere Tür, wir müssen raus gehen, und es aufbauen, da hilft alles nichts. Und das ist gemein, denn mit Kind fehlt uns oft genau dafür die Kraft.
     
    4.) Warum ist es auch für die Kinder wichtig, dass wir als Eltern weniger Stress erleben? 
    Wir sind nachweislich bessere Eltern, wenn wir weniger Stress haben: Wir sind lustiger, haben mehr Geduld, mehr Ideen und mehr Nachsicht. Außerdem habe ich mich immer gefragt: Was will ich meinen Kindern vorleben, wie man ein Leben lebt? Indem man durchrennt und total gestresst ist? Oder indem wir für uns sorgen und eine gute Zeit haben?  Das wird für sie ein Leben lang einen Unterschied machen.

    Mehr von Nicola findet ihr auf ihrer Website artgerecht-projekt.de.